Als am Freitagmorgen um 6 Uhr die 29-köpfige Delegation des Gymnasiums Unterrieden zum Schüleraustausch nach Taiwan verabschiedet wurde, ahnte noch niemand, mit welchen Hintergedanken Schulleiter Josef Maier sich verabschieden ließ. In aller Stille hatte er seinen Wechsel an die Deutsche Schule Taipei eingefädelt. |
![]() |
Schon bei der Ankunft in Taipei wurde Maier von einer hochrangigen Delegation der taiwanesischen Regierung empfangen und zu seiner neuen Wirkungsstätte geleitet. Unser Bild zeigt den neuen Schulleiter mit der Assistentin der Schulleitung Shen Te. Über die Motive für den Wechsel wird am Unterrieden heftig spekuliert. Da gerade die Osterferien begonnen haben, läuft die Kommunikation in erster Linie über das Telefon. Dem Vernehmen nach gab es schon seit geraumer Zeit Anzeichen dafür, dass Maier unverhohlene Sympathie für alles Chinesische an den Tag legte. Jeden Morgen ließ er sich eine Tasse heißen Oolong-Tee an den Schreibtisch bringen. Sein Arbeitszimmer hatte er schon seit Jahren mit chinesischen Utensilien dekoriert. Immer häufiger begrüßte er sein Kollegium morgens mit 'Ni hao' statt mit einem schwäbischen 'Grüß Gott'. Man vermutet, dass die Heimlichkeit ihren Grund darin hat, dass Rudolf Bleier, Schulleiterkollege am Stiftsgymnasium, ebenfalls Ambitionen auf den Posten in Taipei geäußert haben soll. Dieser allerdings weist derartige Absichten weit von sich: Natürlich habe auch er Sympathien für China, aber selbstverständlich nur für das Festland und nicht für Chiang Kai-Sheks Formosa. |
![]() |
Dass der Wechsel vom Unterrieden nach Taipei von langer Hand eingefädelt sein muss, zeigt auch die Tatsache, dass Maier schon am Tag nach der Ankunft in Taiwan auf der Homepage der Deutschen Schule Taipei ein Grußwort veröffentlichte. Unverständnis ruft allerdings hervor, dass er sein Kollegium nach thüringischen Lehrplänen unterrichten lassen will. Dass große Teile des Unterrichts in englischer Sprache gehalten werden sollen, verwundert dagegen niemanden; diese Idee hatte er auch am Unterrieden lange genug propagiert. Den Hinweis auf die "erhebliche finanzielle Förderung" durch das Bundesverwaltungsamt deuten Insider als Reaktion auf Sparmaßnahmen der Stadt Sindelfingen beim Ausbau der Mensa des Gymnasiums Unterrieden. |
![]() |
Rätselraten gibt es vor allem über die Tatsache, dass die Deutsche Schule Taipei als Ableger der TAIPEI EUROPEAN SCHOOL nicht als Karrieresprung verstanden werden kann. Maiers (4. v.r.) neues Kollegium zählt gerade mal ein Dutzend Kolleginnen und Kollegen, wobei letztere deutlich in der Minderheit sind. "Small is beautyful" war bisher nicht Maiers Devise. Gerade erst war das Gymnasium Unterrieden unter den Sindelfinger und Böblinger Gymnasien Spitzenreiter bei den Anmeldungen für die künftigen fünften Klassen geworden. Eben darum, sagen manche. Man müsse es ja nicht Teufel und Stoiber gleichtun; auch Heide Simonis wisse da ein Lied zu singen. |
Die Stelle des Schulleiters am Gymnasium Unterrieden ist verständlicherweise noch nicht ausgeschrieben. Interessenten können sich vorab per Fax (07031/7371-40) nach den "Anforderungen an potentielle Bewerber(innen)" erkundigen. Wegen des drohenden Frauenüberhangs werden Männer bei gleicher Qualifikation bevorzugt. |