Inklusion - wie kann sie gelingen?

17. Januar 2012: Seminarkurs wagt sich an ein noch vernachlässigtes Thema

Seit 2006 gibt es die UN-Behindertenrechtskonvention, in der die Unterzeichnerstaaten sich verpflichteten, die Grundlagen für einen gemeinsamen Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung zu schaffen. Wie sehr man da noch mit Anfangsschwierigkeiten kämpft, zeigt zum einen ganz praktisch der seit Monaten defekte Aufzug des Gymnasiums Unterrieden, zum anderen zeigen es aber auch die sprachlichen Unsicherheiten, wenn etwa der in der englischen Originalausgabe der Konvention gebrauchte Ausdruck Inclusion in der offiziellen deutschen Übersetzung mit Integration wiedergegeben wird, was die Puristen dazu veranlasst, eine alternative Schattenübersetzung anzufertigen. So handelte sich auch der stellvertretende Schulleiter eine Rüge ein, weil er in seiner Begrüßung das Wort 'Behinderte' gebraucht hatte; das heiße heutzutage 'Menschen mit Behinderung', kritisierte der ehemalige Unterrieden-Schüler und Rollstuhlfahrer Roger Hahn. Also korrigieren wir auch gleich den oben gebrauchten Begriff 'Behindertenrechtskonvention' und setzen dafür den vollen Titel: 'UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen'.


Dass das Thema 'Inklusion' im gesellschaftlichen Bewusstsein noch nicht weit vorne angesiedelt ist, könnte man auch an der relativ bescheidenen Zahl der Gäste in der Mensa der Schule festmachen. Allerdings teilt die Inklusion dieses Schicksal mit anderen Themen, die manchmal noch weniger Interessenten hinter dem Ofen hervorgelockt haben. Eine große Fraktion im Publikum stellte die Sindelfinger Winterhaldenschule, die bis vor wenigen Wochen noch den Namen "Schule für Körperbehinderte" getragen hat.


Kein Wunder, denn schließlich saßen auf dem Podium mit Jennifer Graf und Marcel (sein Name wurde versehentlich falsch angeschrieben) Braun zwei Vertreter der Schülerschaft der Winterhaldenschule und verliehen der Veranstaltung dadurch Authentizität. Ein Stück Lebensnähe brachte auch Verena Könekamp (rechts) als Mutter eines Jungen mit Down-Syndrom in die Diskussion.


Roger Hahn hat 1985 am Gymnasium Unterrieden das Abitur gemacht und ist seither immer wieder einmal hier zu Gast. Er plädierte vehement für eine schnelle Umsetzung der genannten UN-Konvention.


Thomas Stöppler, Leiter des Seminars für Didaktik und Lehrerbildung Stuttgart, Abteilung Sonderschulen in Stuttgart, hält Sonderschulen auch angesichts der UN-Konvention für sinnvoll und erforderlich. Diese Auffassung teilt auch Jörg Hofrichter, der als Vertreter des Regierungspräsidiums Stuttgart auf dem Podium saß. Gerd Weimer ist Vorsitzender des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Baden-Württemberg und Landesbeauftragter für die Belange von Menschen mit Behinderung.


Die Fragen stellten Melanie Kohler und Sabine Halenke, die sich intensiv auf das Thema und die Diskussion vorbereitet hatten, was sie allerdings nicht vor dem Kampf mit der Redelust der Diskutanten und infolgedessen mit der Uhr bewahrte.


Quelle: Sindelfinger Zeitung / Böblinger Zeitung vom 19.1.2012


Quelle: Sindelfinger Zeitung / Böblinger Zeitung vom 25.1.2012


Quelle: Kreiszeitung vom 21.1.2012