
Mit "Die gelehrten Frauen" von Molière stellte die Theater-AG des Gymnasiums Unterrieden ein weiteres Mal unter Beweis, dass auch unter ungünstigen Bedingungen gute Unterhaltung geboten werden kann. Eine viel zu kleine und nur 30 cm "hohe" Bühne, die man zudem nur durch einen Zugang unter der Treppe erreichen kann, eine unzureichende Beleuchtung, ein nicht verdunkelbarer Zuschauerraum, kaum ungestörte Probenmöglichkeit - das stellte Wolfgang Braun und Martin Walter, die beiden Regisseure, und Wolfgang Gerbis, der für das Bühnebild sorgte, vor manche Probleme. Aber die 14 Mitglieder der Theater-AG ließen das mit ihrem engagierten Spiel bald vergessen.

Henriette, die Tochter des wohlhabenden Chrysale, möchte Clitandre heiraten und spaltet dadurch die Familie. Ihre Mutter Philaminte hat sich nämlich der "Gelehrsamkeit" verschrieben und lehnt den bodenständigen Verlobten ab. Zusammen mit ihrer Schwägerin Belise und ihrer zweiten Tochter Armande - der sich Clitandre zunächst zugewandt hatte - kämpft sie für den "Dichter" Trissotin als Schwiegersohn. Chrysale, dessen Autorität als Familienoberhaupt auf dem Spiele steht, kann diese Verbindung mit Hilfe der Köchin Martine und seines Bruders Ariste verhindern. Dieser entlarvt Trissotin mit einer Finte als üblen Mitgiftjäger und stellt so den Familienfrieden wieder her.

Mit großer Spielfreude wurden die verschiedenen Kontraste herausgearbeitet: Thomas Riesch gestaltete den Chrysale als gern essenden und trinkenden Biedermann, Bianca Lämmle eine Philaminte, die mit ihrem missionarischen Eifer ihren Ehemann gar manches Mal in die Defensive brachte. Isabelle Zahorka als edle Liebende Henriette war ebenso überzeugend wie Melanie Thut als unbefriedigte Jungfer Armande. Michael Fickert war ein demütig in sich ruhender Clitandre, während Michael König als Trissotin alle Register des affektierten Hohlkopfes ziehen durfte. Nicht zu vergessen auch Benjamin Fischer, der als Ariste unauffällig, aber wirkungsvoll im Hintergrund die Fäden zog, und Marinella Ricardo de Sousa als Belise, die ihr Heil in der "Gelehrsamkeit" sucht, weil sie keinen Mann abbekommt. Dank auch an die beiden Souffleusen, Dagmar Rezbach und Anja Stegmüller, die bei den oft rasanten Wortgefechten keine leichte Aufgabe zu bewältigen hatten.

Lang anhaltender Applaus bei den beiden Aufführungen belohnte die Akteure für ihre Arbeit im zu Ende gehenden Schuljahr.
Reinhard Holländer