Ein Sommernachtstraum

19. Juli 2001

Rezension von Reinhard Holländer
Fotos von Patrick Kulinski

Schuljahresende heißt immer auch Abschied nehmen: von Mitschüler(inne)n, von Lehrer(inne)n, von der Schule. Manche versinken deshalb in Schwermut, andere gestalten ein Fest. So etwa eine siebte Klasse, die Herrn Walter, einen sogenannten Oberreferendar, als Klassen- und Deutschlehrer hatte, der jetzt zum Ende seiner Ausbildung die Schule verlassen wird, um an einem anderen Ort sein eigentliches Berufsleben zu beginnen.
Theseus und Hippolyta
Schon zu Beginn des Schuljahres hatte Herr Walter die Klasse dafür gewinnen können, Balladen als szenisches Spiel einzustudieren und in einen Wettstreit mit den Parallelklassen einzutreten. Auch zum Schluss sollte ein Theaterstück erarbeitet werden: Der Sommernachtstraum von Shakespeare - allerdings nicht das endlos lange Original, sondern eine Version, die Herr Walter vor Jahren schon als "Gedächtnisprotokoll" niedergeschrieben hatte.
 
Verwirrspiel der Liebe
Ursprünglich sollte das Stück im Freien vorgeführt werden, aber das derzeit wechselhafte bis schlechte Wetter machte eine Verlegung ins Schulinnere notwendig. Das sorgte zwar für hektische Mehrarbeit - es musste in aller Eile ein Bühnenbild konzipiert und umgesetzt werden - tat der Stimmung aber keinerlei Abbruch.
 
Handwerker
Mit gehörigem Lampenfieber, aber mit großer Spielfreude wurden die drei Spielebenen umgesetzt: der Athener Fürstenhof um Theseus und seine Braut Hyppolita, die Feen und Elfen im Wald um Oberon und seine Gemahlin Titania, die "Schauspieltruppe" der einfachen Handwerker, die in eben diesem Wald ein Drama einstudiert aus Anlass der Hochzeit von Theseus.
 
Das Stück im Stück
Im Vordergrund stand natürlich nicht die "richtige" Interpretation des vielfältig verwickelten Handlungsablaufs - dafür sind vier Wochen bei Weitem zu wenig - sondern die Pflege des Gemeinschaftsgefühls und der Aufbau eines sinnvollen Sozialverhaltens sowie die Einarbeitung einer Crew in die neue Licht- und Soundtechnik der Schule. Schüler dieser Klasse sollen bei zukünftigen Veranstaltungen diesen nicht einfachen Part übernehmen.
 
Dreifache Hochzeit
Angesichts dieser Tatsache verbietet sich die Heraushebung Einzelner. Alle haben sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit Freude in den Dienst der Sache gestellt und wurden dafür mit minutenlangem Applaus belohnt.
 
Kaltes Buffet
Da zu einem richtigen Fest auch Essen und Trinken gehören, haben sich auch die Eltern "nicht lumpen lassen" und ein Büffet auf die Beine gestellt, das keine Wünsche offen ließ. Aber alles fröhliche Feiern konnte eines doch nicht ganz kaschieren: Wir lassen Herrn Walter nur sehr ungern wieder gehen!
 

R. Holländer