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Stilblüten aus Religionsarbeiten 

Korrigieren ist eine sehr mühselige Arbeit, vor allem bei großen Klassen. Zum Glück gibt es immer wieder einmal eine originelle Lösung, die man nur schmunzelnd zur Kenntnis nehmen kann. Anderes wieder ist zum Heulen, wenn man sieht, auf welche Weise der sorgfältig ausgewählte und didaktisch aufbereitete Unterrichtsstoff in manchen Köpfen abgespeichert wurde.

In Klasse 10 wurde die Bekehrung des Kirchenvaters Augustinus behandelt, der nach seiner eigenen Aussage in den ‚Confessiones' eines Tages ein Kind plappern hörte: Tolle, lege; auf Deutsch: Nimm und lies. Augustinus nahm die Bibel, stieß im Römerbrief auf den Vers 13,13f, bekehrte sich, ließ sich von Ambrosius taufen und wurde später Bischof im nordafrikanischen Hippo. Was wurde aus der Geschichte bei einer Nicht-Lateinerin?
Ein Kind sagte zwei Worte zu ihm wolle Knolle und er fand in der Bibel Antworten und Befriedigung und wurde später Papst.  (Heike, Klasse 10)

Bei manchen Themen sollte das Fach Religion vielleicht doch enger mit der Biologie zusammenarbeiten, damit Irrtümer über den Zusammenhang von Essen und Schwangerschaft ausgeräumt werden können. Immerhin ist der Zusammenhang von sex and crime erkannt. Es geht um David und Batseba:
Er sah eine Frau auf einem der Dächer baden. Er befahl, sie solle hergebracht werden und mit ihm essen. Bald darauf wurde sie schwanger. David brachte ihren Mann im Kampf um.   (Sandra, Klasse 5)

In der Unterrichtseinheit 'Stars-Idole-Vorbilder' war von Pater Maximilian Kolbe die Rede, der im KZ Auschwitz freiwillig in den Hungerbunker ging, um einen Familienvater zu retten. Was wurde daraus in der Klassenarbeit?
Maximilian Kolbe ist für uns deshalb ein Vorbild, weil er für einen anderen Menschen im KFZ gestorben ist.  (Tamara, Klasse 7)

In der gleichen Klassenarbeit:
Die Stare geben viel Geld aus.  (Petra, Klasse 7)

Über das babylonische Exil, bei dem die Oberschicht Israels nach Babylon verschleppt wurde:
Die herrschenden Kreise wurden deponiert.   (Andreas, Klasse 7)

Auch Thomas Morus, englischer Lordkanzler unter Heinrich VIII., wurde behandelt:
Er war Staatssekretär bei Kaiser Wilhelm XIII. und ließ sich für einen anderen (der Familienvater war) töten.   (Ivona, Klasse 7)
Er starb wegen Kriegsdienstverweigerung im Jahre 1538, weil man ihm den Kopf abhackte.  (Jochen, Klasse 7)

Vielleicht versteht man bei den folgenden Schüleräußerungen, warum so wenige Lehrerinnen und Lehrer die Pensionsgrenze erreichen:
Albert Einstein: hat aussätzige gepflegt.  (Renate, Klasse 7)
Petrus: war der treuste Apostel, Er ging später in den Zirkus und ließ sich von den Löwen fressen.   (Michael, Klasse 7)

Oft scheint die gesellschaftliche Praxis zu Fehlschlüssen zu verleiten, wie z.B.bei der Frage nach den sieben Sakramenten:
Kommunion, Firmung, Ehe,Taufe, Buße, Ehescheidung.  (Alexander, Klasse 7)
Das siebte Sakrament hat Alexander uns zum Glück erspart. Wahrscheinlich hätte es 'Mord und Totschlag' geheißen.

Über die Eucharistie:
Ohne Brot und Wein kann man man nicht leben. Es sind Leibgerichte der Christenheit.   (Marion, Klasse 7)

Missverständnisse und gedankliche Kurzschlüsse kann man aber auch in der Mittelstufe finden, z.B. bei Jochen, dem uns schon bekannten Kriegsdienstverweigerer von 1538, der über den israelitischen König David schreibt:
Er ließ aber einen Feldherrn beim Krieg umbringen, damit er dessen Frau heiraten konnte, denn damals konnte man nur Witwen heiraten. (Jochen, Klasse 9)  

Manche machen auch gar nicht viele Worte um ihr Nichtwissen, wie bei der folgenden Antwort auf die Frage: Wer führte die Israeliten beim Auszug aus Ägypten an?
Jesus (Peter, Klasse 9)

Über die Stellung der Frau im frühen Judentum:
Die Frau war am angesehensten,wenn sie viele Söhne gebar, ebenso der Ehemann. (Jochen, Klasse 9)

Die Scheidungspraxis wurde im Judentum zur Zeit Jesu kontrovers diskutiert, aber auch Rabbi Hillel, der den Männern viele Freiheiten einräumte, hätte sich wohl nicht zu der folgenden Aussage verstiegen:
Die Männer herrschten über die Frauen und konnten sie schon bei geringsten Anlässen, wie z.B. das Anbrennenlassen einer Suppe, scheiden lassen, ohne dass die Frau etwas dagegen hatte.  (Max, Klasse 10)
Die Aussage über das Anbrennenlassen einer Suppe stimmt tatsächlich. Allerdings folgten viele auch der Schule von Rabbi Schammai, der doch etwas strengere Maßstäbe für eine Ehescheidung anlegte. 
Schreckliche Strafen wurden im alten Israel über die Frauen verhängt:

Nur die Frau konnte zum Ehebruch verurteilt werden.  (Martin, Klasse 10)

Gefragt war: "Mit welcher bedrängenden Frage befasste sich der junge Luther und zu welcher Erkenntnis kam er schließlich?"
Er fragte sich, warum das Christentum in katholisch und evangelisch gespalten ist. Er versuchte das Christentum wieder zusammenzuführen, aber es wurde abgelehnt."   (Tobias, Klasse 8)
Eigentlich schade, dass dieses löbliche Ansinnen abgelehnt wurde!

In der Oberstufe stoßen wir schon auf tiefere Einsichten wie z.B. die folgende, der man im Blick auf manche Verlautbarungen aus dem Vatikan eine gewisse Berechtigung nicht absprechen kann:
Das Amt in der Kirche ist nur dazu da, um der Gemeinheit zu dienen. (Andrea, Klasse 13)

Möglicherweise ist es nur ein Rechtschreibfehler, vielleicht entspringt der Satz aber auch einer tiefen theologischen Einsicht:
Durch seinen Tod nimmt Jesus alle Sünden auf sich und leidet die Endzeit ein.  (Jürgen, Klasse 12)



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