Brief an seine Mutter
*Gilt als das Großartigste im Bereich des Totengedenkens*
Verkennen Sie mich nicht, wenn ich über den Verlust unserer
nun seeligen Grosmutter mehr die nothwendige Fassung, als das Laid ausdrüke,
das die Liebe in unsern Herzen fühlt. Ich finde, daß man ohne
vesten Sinn nicht wohl auskommt...die zärtlichen guten Worte, die, wie
Sie wissen, mir zu leicht vom Munde gehen, ich muss sie sparen für jezt,
ich darf nicht Sie und mich noch mehr dadurch bewegen. Das neue reine Leben,
das, wie ich glaube, die Gestorbenen nach dem Tode leben, und das der Lohn
ist auch für die, die, wie unsere Grosmutter, ihr Leben lebten in
heiliger Einfalt, diese Jugend des Himmels, die nun ihr Antheil ist, nach der
so lange ihre Seele sich sehnte, diese Ruhe un Freude nach dem Leiden, wird
auch Euer seyn, theure Mutter...Indessen geleite uns ein treuer gewisser Geist,
und der Hohe im Himmel gebe, daß wir nicht lässig seyen, und was
wir thun mit Maas thun, und das Schikliche treffen in dem, was unsere Sache
ist!
Ich hoffe, es gefällt euch.
Friedrich Hölderlin