Bundestagswahl unter der Lupe

Neigungskurs Politik untersuchte markante Bundestags-Wahlergebnisse in Sindelfingen

Bundeskanzler Gerhard Schröder trägt die Verantwortung dafür, dass im Neigungskurs Politik am Gymnasium Unterrieden der amtliche Lehrplan zeitweise außer Kraft gesetzt werden musste. Es führte kein Weg daran vorbei, dass die vorgezogenen Neuwahlen zum Bundestag zum Unterrichtsthema gemacht werden mussten. Am letzten Schultag vor den Herbstferien präsentierte der Neigungskurs Politik die Ergebnisse seiner Untersuchung einiger markanter Zweitstimmen-Ergebnisse in Sindelfingen.
Die Arbeit wäre nicht möglich gewesen ohne die Hilfe von Herrn Böttiger und Frau Dieterle vom Wahlamt der Stadt Sindelfingen. Sie lieferten die Wahlergebnisse aus den Sindelfinger Wahlbezirken.


Am letzten Schultag vor den Herbstferien präsentierten die Schülerinnen und Schüler ihre Arbeitsergebnisse. Der verantwortliche Lehrer, Herr Vogel, begrüßte dazu auch Frau Dieterle und Herrn Böttiger.


Sieben Wahlbezirke wurden untersucht, in denen besonders markante Ergebnisse zu verzeichnen waren. Markant deshalb, weil sie vom Durchschnitt signifikant abweichen. Die Aufgabe war, auf dem Hintergrund der Wohnverhältnisse - z. B. Siedlung mit Einfamilienhäusern, Reihenhäuser, Wohnblocks, Sozialwohnungsbau usw. - eine Art Sozialstruktur der Wahlbezirke herauszuarbeiten und Rückschlüsse auf das Wahlergebnis zu versuchen. Die Sozialstruktur wurde beschrieben und mit Fotos illustriert.


Simon und Jan referierten kurz die Themen, die im zeitlichen Umfeld der Bundestagswahlen am 18. September bearbeitet wurden: Das Spitzenpersonal der Parteien, deren Wahlkampfschwerpunkte, die Rolle der Medien und das Wahlergebnis auf Bundesebene sowie in der Stadt Sindelfingen.


Alexander und Mai Mai nahmen den Wahlbezirk 15 - "Sängerheim" - unter die Lupe. Schöne Häuser und gepflegte Gärten lassen darauf schließen, dass es den dort lebenden Menschen ziemlich gut geht. Viele von ihnen sahen für sich keine Veranlassung, zur Wahl zu gehen und sorgten so für die niedrigste Wahlbeteiligung in Sindelfingen. Die Grünen errangen hier ihr bestes Wahlergebnis in Sindelfingen, die SPD ihr schlechtestes und viele CDU-Anhänger gaben ihre Zweitstimme der FDP, weil sie eine schwarz-gelbe Koalition wollten.


Andreas beschäftigte sich mit dem Wahlbezirk 51 - "Grundschule Birkleweg"/Darmsheim. In diesem dörflichen Wahlbezirk wohnen die Leute in ihren eigenen, oft älteren, Häusern, man sieht viele ältere Menschen, und viele betreiben noch eine kleine Landwirtschaft nebenher. Offenbar wird hier das Wählen verbreitet noch als Bürgerpflicht angesehen: Die Wahlbeteiligung ist die höchste in Sindelfingen. Und konservativ ist man auch: Mit über 44 Prozent erreicht die CDU ihr bestes Ergebnis.


Ganz andere Verhältnisse herrschen in den Wahlbezirken 28 - "Kindergarten Eschenried" und 30 - "Inseltreff Eichholz". Tanja und Karin berichten, dass Wohnblocks und Miet-Reihenhäuser das Bild prägen. Hier wohnen viele Arbeiter, die bei Mercedes beschäftigt sind. Auf diesem Hintergrund ist es kaum verwunderlich, dass in diesen Wahlbezirken "Die Linke" bzw. die SPD ihr bestes erzielt haben und die CDU bzw. die FDP ein vergleichsweise schlechtes Ergebnis hinnehmen mussten. Die Auswirkungen des angekündigten Arbeitsplatzabbaus "beim Daimler" sind unübersehbar.



Gar keinen Stich machen konnte "Die Linke" dagegen im Wahlbezirk 43 - "Ev. Kindergarten Paul-Lincke-Straße". Sie erreichte dort nur 0,4 Prozent der Zweitstimmen während die CDU und vor allem die FDP hier punkten konnten. Überraschend ist dies nicht wenn man das Ambiente dieses Wahlbezirks in Augenschein nimmt: Schöne Einfamilienhäuser hinter Hecken, villenähnliche Anwesen und gepflegte Gartenanlagen. Hier leben offenbar betuchte Leute, die überhaupt kein Interesse an "linker Politik" haben.


Im Gespräch am Schluss der Präsentation ist noch einmal darauf hingewiesen worden, dass eine Untersuchung der Sozialstruktur in den Wahlbezirken nur anhand des Kriteriums der "Wohnverhältnisse" keine völlig abgesicherten Ergebnisse liefern konnte - man müsste noch viel mehr Sozialdaten einbeziehen. Deutlich geworden ist auf jeden Fall, dass bestimmte Lebensverhältnisse entsprechende Interessenlagen hervorbringen und diese Sachverhalte sich auch im Wahlverhalten niederschlagen.