Interner Bereich

Uneingeschränkte Solidarität mit allen Juden und Jüdinnen in Deutschland

Als Schule mit Courage distanzieren wir uns von jeglichem Hass und Ausgrenzung, sowie verbalen und körperlichen Attacken gegen Menschen jüdischen Glaubens. Diskussionen über Kriege und Politik von Staaten darf nicht in Hass gegen Menschen, egal welcher Glaubensgemeinschaft sie angehören, umschlagen. Die Würde des Menschen ist und bleibt unantastbar.

Nach dem gewaltsamen Aufflammen des Konfliktes im Nahen Osten ist jüdisches Leben in Deutschland zunehmend bedroht. Auf pro-palästinensischen und anti-israelischen Demonstrationen in Gelsenkirchen wurde auf offener Straße „Scheiß-Juden“ skandiert, eine Scheibe der Mannheimer Synagoge wurde eingeschlagen und in Solingen und Bonn wurden Israel-Flaggen verbrannt, um nur einige judenfeindliche Vorfälle als Reaktion auf den Nahost Konflikt zu nennen. Nicht nur als Bürgerinnen und Bürger Deutschlands, sondern als Schulgemeinschaft sind wir davon betroffen und stehen in der Verantwortung in der aktuellen Lage dafür einzustehen, dass Vorurteile, Hass und Diskriminierung an unserer Schule keinen Platz haben und niemals haben werden. Es ist eine desolate Situation, dass jüdische Schüler sich nicht öffentlich als jüdisch zu erkennen geben getrauen, um sich vor Anfeindungen auf dem Schulhof zu schützen. So ist „Du Jude“ eines der häufigsten Schimpfwörter an deutschen Schulen.

Einige hochrangige Politiker, so auch Bundeskanzlerin Merkel, zogen nach den Protesten in ganz Deutschland eine klare Grenze zwischen dem Demonstrationsrecht sowie Meinungsäußerung, in der die Politik der israelischen Regierung kritisiert wird, und offenkundigem Judenhass.
Wenn sich Anschläge auf Synagogen ereignen und Judenhass auf offener Straße verbreitet wird, so handelt es sich um einen Anschlag auf jüdisches Leben in Deutschland. Dabei wird das Demonstrationsrecht und das Mittel des Protests missbraucht, um Judenhass kundzutun.
Auch der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Dr. Josef Schuster, sieht eine wachsende Bedrohung für die jüdische Gemeinschaft. Diese sei nicht mehr abstrakt, sondern „sehr reell“. Zwar gebe es das hohe Gut der Meinungsfreiheit und des Demonstrationsrechtes, es liege jedoch in der Verantwortung des Staates, Minderheiten zu schützen. Ferner handle es sich „in dem Moment, wenn jüdische Gotteshäuser angegriffen werden, mit Steinen beworfen werden […] um reinen Antisemitismus.“, so Schuster.
Jüdinnen und Juden in Deutschland sehen sich zunehmend bedroht, im ZDF berichtet eine jüdische Familie von der Judenfeindlichkeit, der sie im Alltag ausgesetzt sind. Es gebe No-Go-Areas, in denen man sich auf keinen Fall als jüdisch erkennen geben will, etwa durch den Pullover eines jüdischen Fußballvereins („Makkabi“ Frankfurt). Der ältere Sohn erwägt sogar die Auswanderung nach Israel, zwar fühle er sich deutsch und wolle das Land nicht verlassen, er müsse sich aber mit dem Thema auseinandersetzen.
Vertreter jüdischer Gemeinden reagieren alarmiert, die Vorfälle seien „beängstigend und emotional schwer zu verkraften“. Jeremy Issacharoff, der israelische Botschafter, stellt zudem klar, dass „der Konflikt im Nahen Osten nichts mit der jüdischen Gemeinschaft hier in Deutschland zu tun“ habe. Jedoch müssen sich Jüdinnen und Juden hierzulande für die Handlungen der israelischen Regierung verantworten. Bereits vor der erneuten Eskalation mussten sich in Deutschland geborene Juden für die Politik Israels rechtfertigen, sie erklären und gegebenenfalls von ihr distanzieren. Ganz so, als seien sie keine deutschen Staatsbürger, die die Bundesregierung wählen, sondern israelische. Ein klarer Akt der Ausgrenzung.
Die Zahlen antijüdischer Vorfälle stiegen im vergangenen Jahr trotz der Einschränkung des Lebens im öffentlichen Raum. Durch antijüdische Verschwörungsmythen, die auf ein altes Narrativ zurückgreifen, und Shoah-Relativierungen auf Demonstrationen der Querdenker und Corona-Leugner wurde antijüdisches Gedankengut weitflächig in der Mitte der Gesellschaft verbreitet. Eine Zäsur war auch der offenkundige Judenhass, der auf der Straße gezeigt wurde. So standen 2020 in Berlin fast 20 Prozent der registrierten, judenfeindlichen Vorfälle im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.
Als Courage-Schule, die zudem eine von wenigen Standortschulen ist, die jüdischen Religionsunterricht anbieten kann, steht es in unserer Pflicht gegen die Ausgrenzung vorzugehen und wachsam zu sein, wenn - wie gerade – etwas zerbricht. Nämlich die vorherige Sicherheit, dass Judenhass und Judenfeindlichkeit nicht auf Protesten lautstark verkündet und bis in die Gesellschaft verbreitet wird. Der Diskurs hat sich somit geändert, es werden Dinge gesagt, die zuvor als unsagbar galten.
Beunruhigend ist auch die Tendenz der wachsenden Judenfeindlichkeit unter Jugendlichen. Erklärungsansätze dafür sind einerseits, dass die Shoah nicht mehr so präsent ist, weil es kaum möglich ist, mit Zeitzeugen zu sprechen. Ferner bestärken sich Vorurteile in Filterkammern in sozialen Netzwerken einfacher.

Jüdisches Leben in Deutschland darf unter keinen Umständen bedroht sein, wenn Kritik an der israelischen Regierung in Hass und Anfeindungen von Juden umschlägt, so handelt es sich nach der IHRA Definition eindeutig um Antisemitismus. Hierbei muss eine harte Grenze gezogen werden. Es braucht mehr Solidarität der Mehrheitsgesellschaft, um Judenfeindlichkeit entgegenzustehen und hasserfüllte Äußerungen nicht zur Normalität werden zu lassen, wie es bei den pro-palästinensischen Demonstrationen und auch schon bei den Corona-Demonstrationen der Fall war. Es muss gezeigt werden, dass Judenfeindlichkeit nicht toleriert wird. Wir können einen Beitrag dazu leisten, indem wir an unserer Schule aufmerksam und solidarisch sind und antijüdische Beleidigungen nicht zulassen, so dass kein antijüdisches Gedankengut verbreitet wird. Zudem können wir mehr Wertschätzung gegenüber der jüdischen Religion entgegenbringen, etwa indem wir versuchen jüdischen Religionsunterricht einzuführen, wie es dem Gymnasium Unterrieden als Standortschule möglich ist.

Text: Lena Simon

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