Am Schuljahresende 2025/26 veranstaltete die Schulgemeinschaft am Gymnasium Unterrieden ein einzigartiges Großprojekt: Der Schulcampus verwandelte sich für drei Tage in den eigenständigen Staat „LasOktas“. Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres blicken wir auf ein intensiv vorbereitetes, hochkomplexes und schlussendlich überaus erfolgreiches Experiment zurück.
Politik in der Praxis: Drei Parteien, eine historisch einmalige Regierung
In erster Linie verstand sich „Schule als Staat“ als eine handlungsorientierte Politiksimulation. Die Schülerinnen und Schüler übernahmen in Eigenregie den Aufbau eines vollwertigen Staates. Im Vorfeld formierten sich aus der Schülerschaft drei Parteien: die progressiv-ökologische MENS, die liberale TUFF und die sozialistische LSP.
Das Ergebnis der freien Wahlen mündete in ein historisches Polit-Novum: Sämtliche drei Parteien bildeten eine gemeinsame Allparteien-Regierung unter der Präsidentin Anna Knäb. Was in der realen Weltpolitik kaum denkbar erscheint, funktionierte in LasOktas über den gesamten Projektzeitraum hinweg. Das Parlament entwickelte sich dabei zum Schauplatz intensiver und kontroverser Debatten. Auch reale parlamentarische Herausforderungen – wie das Ringen um Beschlussfähigkeiten bei Abwesenheiten – blieben nicht aus. Dennoch erarbeitete die Volksvertretung auf Basis einer stabilen Verfassung ein beeindruckendes Gesetzeswerk, das von einem aus Abiturientinnen und Abiturienten bestehenden Gericht präzise und eloquent ausgelegt wurde.
Besonders wichtig waren für das Projekt die „Staatsbesuche“. Schon am ersten Projekttag durfte man den Oberbürgermeister der Stadt Sindelfingen, OB Markus Kleemann besuchen. Als entschiedener Unterstützer von „Schule als Staat“ nahm er sich viel Zeit für einen Rundgang durch alle Bereiche mit der Regierung von „LasOktas“, probierte die kulinarischen Genüsse im Schulhof und versuchte sich sogar mit großem Erfolg an einem Fahrsimulator in einem der PC-Räume.
Am Freitag kam es dann zu einer Podiumsdiskussion mit Politikerinnen und Politikern aus der Region und Regierungsmitgliedern von „LasOktas“ über aktuelle Fragen der Demokratiebildung mit einer anschließenden Führung über das „Staatsgelände“.
Wirtschaft, Währung und funktionierende Logistik
Neben der politischen Dimension überzeugte LasOktas als realistische Wirtschaftssimulation. Die Vielfalt der Betriebe war überwältigend: Vom hochfrequentierten Barbershop „Hoodbarber“ über eine Fahrradwerkstatt, ein T-Shirt-Druckstudio, ein Nagelstudio, Anwaltskanzleien, ein Kino und zahlreiche Handwerksbetriebe bis hin zu vielfältigen kulinarischen Ständen war das Angebot lückenlos.
Die Betriebsleitungen standen täglich vor realen betriebswirtschaftlichen Aufgaben: Personalrekrutierung, Wareneinkaufskalkulation und die tägliche Abgabe einer Steuererklärung beim Finanzministerium gehörten zum Pflichtprogramm. Umso erfreulicher ist das Resultat: Die absolute Mehrheit der Betriebe wirtschaftete nachhaltig solvent und verzeichnete am Ende Gewinne. Durch das Arbeitsamt konnte sichergestellt werden, dass die Arbeitslosenquote insgesamt dauerhaft niedrig blieb.
Als verlässliches Finanzrückgrat erwies sich die hauseigene Bank. Das Zahlungsmittel – die „Oktas“ – begeisterte durch aufwendig gestaltete Scheine mit historischen Persönlichkeiten der Region: Carl Benz (1er), Margarete von Wrangell (2er), Werner Heisenberg (5er) und Johannes Kepler auf dem begehrten 20-Okta-Schein. Ein besonderer organisatorischer Erfolg: Dank der soliden Haushaltsführung konnte der von allen Beteiligten eingezahlte Projektbeitrag von 10 € noch vor den Sommerferien vollständig zurückgezahlt werden.
Dass die Logistik reibungslos funktionierte, lag auch an der stringenten Infrastruktur: Das zentral organisierte Warenlager wickelte Bestellungen digital ab und stellte die Kühlung der Lebensmittel durch einen gemieteten Kühlanhänger sowie geliehene Kühlschränke sicher. Zudem sorgten strenge Betriebsprüfungen und effiziente Hygienekontrollen dafür, dass Sicherheits- und Hygienevorschriften konsequent eingehalten wurden.
Dreh- und Angelpunkt der Gesamtorganisation war der „Infopoint“ am Haupteingang. Von hier aus wurde nicht nur alles koordiniert, was die aus Jugendlichen bestehende Regierung nicht koordinieren konnte, sondern er war auch Anlaufpunkt für alle Fragen von Bürgerinnen und Bürgern sowie Besuchenden gleichermaßen.
Ein ausgefeiltes Sicherheitskonzept verhinderte, dass es während des Projekts ein Übermaß an „Straftaten“ gab. Mit über 100 Sicherheitskräften aus Grenzschutz und Polizei war „LasOktas“ zu jeder Zeit ein sicherer Ort. Der aus einem Bauzaun und Weidezäunen bestehende „Grenzzaun“ erwies sich dabei als wertvoller und unerlässlicher Teil des Konzepts.
Kultur, digitale Infrastruktur und gelebte Identität
Schon bei der Ankunft am Staatsgebiet wurden Bürger und Gäste am Grenzzaun von wehenden Fahnen empfangen. Täglich stimmte die versammelte Bürgerschaft, begleitet von einer Bläsergruppe, die im Musikunterricht einstudierte Nationalhymne an, die „Recht, Einigkeit und Freiheit“ von LasOktas preist.
Das kulturelle Herzstück bildete das Kulturcafé, das neben kulinarischen Spezialitäten ein abwechslungsreiches Programm bot: Improvisationstheater, Italienisch-Sprachworkshops, eine Vintage-Kleidertauschparty, ein Büchertauschtisch und ein vielbeachteter Talentwettbewerb sorgten für stetigen Andrang.
Als digitales Nervenzentrum fungierte die Projekt-Website www.lasoktas.de. Sie diente nicht nur der Bereitstellung von Verfassung, Gesetzen und Antragsformularen, sondern beherbergte das digitale Bestellsystem des Warenlagers sowie die Jobbörse des Arbeitsamtes.
Ein besonderer Höhepunkt fand am letzten Projekttag statt: Die angehenden Fünftklässlerinnen und Fünftklässler wurden im Rahmen ihrer Einschulung gemeinsam mit ihren Eltern auf dem Schulhof empfangen. Sie erhielten direkt einen lebendigen Eindruck davon, wie vielfältig und dynamisch das Schulleben am Gymnasium Unterrieden gestaltet wird.
Ein Dank an die Schulgemeinschaft und die Elternschaft
Ein Projekt dieser Größenordnung erfordert einen enormen Kraftakt. Über zwei Jahre hinweg haben zahlreiche Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte unzählige Stunden ehrenamtlicher Vorbereitungs- und Organisationsarbeit geleistet.
Ein herzlicher Dank gilt dem Förderverein sowie dem Elternbeirat für die essenzielle Unterstützung – unter anderem bei der Beschaffung des Bauzauns zur Sicherung des Staatsgebiets. Ebenso danken wir den vielen Eltern, die ihre Kinder bei Betriebskalkulationen am Küchentisch beraten, Ausrüstung beigesteuert oder dem Projekt Kühlschränke und Weidezäune zur Verfügung gestellt haben. Ohne dieses großartige Engagement der gesamten Schulgemeinschaft wäre der Erfolg von „LasOktas“ nicht möglich gewesen.
Auch die SZ/BZ berichtete über unser Projekt "Schule als Staat". Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

Auf dem Bild "SaS Schlüsselübergabe" sind die Regierungsmitglieder von SaS mit der Schulleiterin Frau Martina Fuchs abgebildet:
Emely Kindlein, Aadrita Ahmed, Präsidentin Anna Knäb, Maddalena Catarraso, Frau Fuchs (Schulleiterin), Lara Zügel, Henrique Werner Mazeto, Lev Koshelev.

Auf dem Bild "Staatsbesuch OB Kleemann" sind zu sehen: Emely Kindlein, Aadrita Ahmed, Präsidentin Anna Knäb, OB Markus Kleemann, Maddalena Catarraso, Lara Zügel, Julian Fauser.
